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Für Dich Gelesen

April 2017

DVD-Trilogie: Welcome in Vienna – Wohin und zurück
Drehbuch: Georg Stefan Troller ; Regisseur: Axel Corti ; Drama 1982-86 - Trilogie
3 DVDs: 2h 7min

Axel Corti erzählt in drei Teilen die Geschichte von Menschen, die sich auf Grund der Reichskristallnacht gezwungen sehen, aus Wien zu fliehen. Für Juden und „Andersdenkende“ beginnt damit eine gefährliche Odyssee – Auswanderung aus Österreich, falls sie überlebten und es schafften, Einwanderung in Amerika und für einzelne die Rückkehr nach Europa.

Der erste Teil - An uns glaubt Gott nicht mehr - beginnt in der Reichspogromnacht im November 1938. Die Emigration führt durch mehrere Länder und über viele Stationen, die nicht alle überlebten. Bis sie nach Marseille gelangten, zum rettenden Schiff nach Amerika, wo es im Sommer 1941 den letzten Emigranten möglich war, das marode Schiff „Europa“ zu verlassen.

Im zweiten Teil - Santa Fé - wird vom Gefühl der Sehnsucht nach Heimat, die nicht oder nicht mehr existiert, erzählt. Das Emigrantenmilieu in den USA wird zur Ironie und Tragikomik. Im Mittelpunkt steht der junge Freddy Wolff, der sich weigert, Amerikaner zu werden, und von einem Leben in Santa Fé träumt. Nach dem Eintritt der USA in den Krieg meldet sich Freddy zur Armee. Er will dem Land, das ihn aufgenommen hat, seine Dankbarkeit erweisen, und er will nach Europa zurück.

Der dritte Teil - Welcome in Vienna - beginnt im Winter 1944. Freddys Division kämpft im Elsass, er vernimmt deutsche Gefangene und Überläufer. Am Tag der Kapitulation verliebt er sich in die angehende Schauspielerin Claudia, Tochter eines hochdekorierten NS-Generals, der sich mit für die Amerikaner wertvollen Dokumenten retten kann. Im vom Krieg verwüsteten Wien versucht er mit Claudia eine Beziehung aufzubauen. Freddy tut sich schwer in einer Gesellschaft von ehemaligen Mitläufern und lebenshungrigen Egoisten, Schleichhändlern, Idealisten und Schiebern.

Die nach einem Drehbuch von Georg Stefan Troller realisierte Trilogie von Axel Corti ist eine Besonderheit des österreichischen Films der Nachkriegszeit und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Für Dich gesehen von E.L. und P.L.

 

 

Februar 2017

///Rabinowich, Julya: Dazwischen: Ich
/ Julya Rabinowich. - München : Carl Hanser, 2016. - 254 S.
ISBN 978-3-446-25306-3 / 3-446-25306-8 kart.

Julya Rabinowich ist Autorin, Kolumnistin, Malerin, Dolmetscherin.
Geb. 1970 in St. Petersburg, emigrierte mit ihrer Familie 1977 nach Wien, wo sie mehrere Studien absolvierte und inzwischen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Ihr erstes Jugendbuch
„DAZWISCHEN: ICH“ erschien 2016 im Carl Hanser Verlag.

„Ich habe langes Haar bis zur Hüfte.
Ich habe früher viel gelacht.
Ich habe einen kleinen Bruder und keine Angst vor wilden Hunden.
Ich habe schon Menschen sterben sehen. So.
Wer das weiß, weiß mehr von mir als die meisten anderen.
Ich fange einfach damit an, was ich mag.
Was ich nicht mag, kann ich immer noch später aufzählen.“

So leichtfüßig beginnt Madinas Geschichte, die mit ihrer Familie von dort her kommt, wo nicht einmal Ali Babas Räuber wohnen wollen. Nicht mehr.

Julya Rabinowich erzählt mit großer Einfühlungskraft, wie in dem überfüllten Flüchtlingsheim die Angst der Eltern vor der Ungewissheit in dieser fremden Welt wächst, während Madina jeden Tag mehr begreift: Hier, in diesem Land, hat sie auch als Mädchen die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft.

Eine Mut machende, hoffnungsvolle Geschichte, die bis zum Schluss nichts von ihrer Spannung verliert.

Für Dich gelesen von A.P.

Es gibt ein Lesen, das übergeht in ein Lauschen; auf ein solches Lesen bin ich aus. Peter Handke

 

November 2016

||| Scheuringer, Rosa: Bäuerinnen erzählen
: vom Leben, Arbeiten, Kinderkriegen, Älterwerden 
/ Rosa Scheuringer (Hrsg.). - Wien u.a. : Böhlau, 2007. - 326 S. : Ill. (s/w) - (Damit es nicht verloren geht..; 60)
ISBN 978-3-205-77667-3 / 3-205-77667-4 fest geb.

Frauen, die ihren „Mann“ stellen müssen, die gibt es nicht nur heute. Es gab sie auch in der Vergangenheit. Zwölf Bäuerinnen, alle aus Österreich, geb. zwischen 1907 und 1925, geben uns mit ihren Beschreibungen Einblick in den ersten Schultag, das Verliebtsein, das Heiraten, Kinder kriegen, die Arbeit auf dem Hof, Kirtag, Korndreschen, Erlebnisse im Jahr 1945, Einzug der Elektrizität, der erste Traktor, Führerscheinprüfung, Nikolaus, „Groamatheign“ uvm.
Alte Handwerke, Tätigkeiten wie die Leinenbearbeitung, das Spinnen, das „Broatdreschen“ sowie der Anbau von Tabak werden dokumentiert. Ein erlesenes Stück Zeitgeschichte. 
Am Beginn jeder Erzählung wird die Verfasserin mit einigen Eckdaten kurz vorgestellt. Fotos zeigen Hof, Tiere und ihre Bewohner.
Die Lebenserinnerungen haben biographische sowie thematische Schwerpunkte. Im Anhang findet sich eine kurze Beschreibung der alten bzw. Mundartausdrücke.
Lesenswert!
Für Dich gelesen von C.L.
 
„Ein Buch – ein Haufen toter Buchstaben? Nein, ein Sack voller Samenkörner“ 
André Gide

 

 

 

August 2016

|| Fischer, Margit: Was wir weitergeben
/ Margit Fischer ; Mitarb.: Barbara Tóth. -
1. Aufl. - Wien : Brandstätter, 2015. - 220 S.

ISBN 978-3-85033-925-4 / 3-85033-925-4

Uns allen ist Margit Fischer bekannt als die Frau an der Seite des Ex-Bundespräsidenten Heinz Fischer.
Ihr Buch: Zeitgeschichte und Lebensgeschichte.

1943 wurde Margit Fischer in Schweden geboren, Vater und Mutter österreichischer Flüchtlinge, verfolgt wegen ihrer sozialdemo-kratischen Gesinnung. Aus dieser Zeit stammt eine enge Freund- schaft mit der Familie Kreisky. 1949 beschlossen die Eltern, in das noch zerbombte Wien zurückzukehren und sich am Aufbau der Sozialdemokratie in ihrem Heimatland zu engagieren. Margit selbst wurde junge Sozialdemokratin. Im Team damals war Heinz Fischer.

Seit 48 Jahren verheiratet unterstützt sie ihn, diskutiert, lässt ihre Schwerpunkte einfließen, begleitet sie ihn auf Reisen, empfängt Gäste, beobachtet aus zweiter Reihe.

Aus dem Inhalt:
Familiengeschichte
Exil und neue Heimat mitgestalten
Interessensschwerpunkt Bildung – was uns weiterbringt
Partnerschaft – miteinander unterwegs
Emanzipation – was wir wollen
Was wir aus der Geschichte lernen sollten

 

Statement - Was wir den Kindern weitergeben sollten:
Herzensbildung, Wärme und Selbständigkeit.

Der Leitsatz – Artikel 1 der Menschenrechtsdeklaration:
„Alle Menschen sind frei und gleich an Rechten und Würde geboren und haben einander im Geist der Brüderlichkeit zu begegnen.“

Für Dich gesehen von C.L.

 

Juni 2016

 Isherwood, Christopher: Leb wohl, Berlin
: Roman / Christopher Isherwood. Aus dem Engl. von Kathrin Passig und Gerhard Henschel.
Mit einem Nachw. von Stephanie Bart. - 1. Aufl. - Hamburg : Hoffmann und Campe, 2014. - 271 S.
ISBN 978-3-455-40500-2 / 3-455-40500-2
Verfilmt u.d.T.: Cabaret

„Ich bin eine Kamera mit weit geöffneter Blende, passiv aufzeichnend, nicht denkend“ so liest man am Beginn des Romans.

Der aus England stammende Ich-Erzähler Christopher Isherwood schreibt über seine Zeit im Berlin der frühen 1930er-Jahre. Er zog nach Deutschland, um dort einen Roman zu verfassen. Er trifft sich mit zahlreichen Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus: Seine Vermieterin Fräulein Schröder muss sich durch das Vermieten von immer mehr Räumen ihrer Wohnung über Wasser halten. Peter und Otto sind ein homosexuelles Paar, die er auf Rügen kennenlernt. Als seine Geldmittel sehr knapp werden, mietet er sich vorübergehend bei der Familie Nowak ein, die zur untersten Einkommensschicht Berlins gehört. Dem gegenüber trifft er sich aber auch mit Mitgliedern der wohlhabenden jüdischen Familie Landauer, denen die Bedrohung des aufkommenden Nationalsozialismus mehr und mehr bewusst wird. Den kommunistischen Kreisen, in denen er ebenso verkehrt, geht es ähnlich. Und schließlich lernt er die junge, extravagante Engländerin Sally Bowles kennen, die in Kabaretts auftritt, eine Reihe von Verehrern besitzt und von einer Rolle beim Film träumt.

Das Buch gibt die Atmosphäre dieser Zeit der zu Ende gehenden Weimarer Republik anhand der Lebenssituation der einzelnen Charaktere einfühlsam wieder.

Übrigens war das Buch die Vorlage für das bekannte Musical „Cabaret“ aus den 1960er Jahren.

Für Dich gesehen von E.L.

 

 

März 2016

David, Anthony: die Infernos des Dr. Arno Stolz
: Verrat - Mord - Liebe / Anthony David.
Aus dem Engl. von Elisabeth Liebl. - Salzburg : Ecowin-Verl., 2011. -413 S.
ISBN 978-3-7110-0012-5 / 3-7110-0012-6 fest geb.

Im Jahr 2002 findet der Autor Anthony David in Jerusalem 350 Glasplattennegative in einem verschlissenen, alten Lederkoffer. Er macht sich auf die schwierige und spannende Suche nach der Identität des Fotografen. Spärliche Hinweise sind die Datierung und die eigenartigen Titel der Bilder. Nachdem der Autor den 100-jährigen italiensichen Priester Pater Albino Gorla kennenlernt, der beim Gesuchten in den 1920er Jahren Philosophie studierte, kann er nach und nach die abenteuerliche Lebensgeschichte des deutschen Benediktiners Dr. Arno Stolz rekonstruieren.

Sein Ordensname war Bruder Benedikt und er lebte von 1921 bis zu seinem Tod 1986 in der Jerusalemer Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg. Er war Autor, Fotograf und Amateurarchäologe. In den 1930er-Jahren wurde er nach Deutschland entsandt, um dort die politische Lage zu erkunden.

Während der Zeit in Deutschland begegnet Stolz der stigmatisierten Therese Neumann, der Seherin von Konnersreuth. Sie sieht deutlich die Gefahren des Nationalsozialismus und kann den liberalen Journalisten Fritz Gerlich davon überzeugen, alles in seiner Macht stehende gegen Hitlers Aufstieg zu unternehmen. Weiters kommt Stolz mit der Karmelitin Edith Stein, einer katholischen Nonne und Philosophin jüdischer Abstammung, in Kontakt.

Der sehr spannende, biografisch angelegte Roman hat über 300 Fußnoten, die die gründlichen Recherchen des Autors belegen. Das Buch ist auch empfehlenswert für Leser, die an geschichtlichen Hintergründen nicht unbedingt interessiert sind.

Für Dich gelesen von E.L.


Jänner 2016

Christoph Maria Herbst liest Moritz Matthies "Ausgefressen"  
/ Christoph Maria Herbst liest Moritz Matthies. Regie: Oliver Versch. - Berlin : Argon, 2012. - 4 CDs (310 Min.) - (Argon-Hörbuch)
ISBN 978-3-8398-1134-4 / 3-8398-1134-1  

Was für ein Privatdetektiv – ein Erdmännchen!? Aber wieso nicht, schließlich haben Erdmännchen von Haus aus die beste Ausstattung fürs Observieren, Herumschnüffeln und Spurenlesen. Wer wäre also für diesen Job besser geeignet? Erdmännchen Ray wünscht sich jedenfalls nichts mehr als Privatdetektiv zu sein. 

Nur, wie kommt ein Erdmännchen im Kölner Zoo zu einem Auftrag? 

Doch durch einen glücklichen Zufall löst sich dieses Problem. Er wird Partner von Phil, einem dem Alkohol nicht abgeneigten Privatdetektiv, der bei seinem derzeitigen Fall auf der Stelle tritt.

Aufgelockert wird die Handlung durch die Familienprobleme von Ray und die mehr oder weniger unglücklichen Versuche der beiden, beim weiblichen Geschlecht zu punkten. 

Insgesamt ist dieses Hörbuch eine sehr lustige Krimikomödie, brillant und witzig gelesen von Hörbuchsprecher Christoph Maria Herbst. Er verleiht durch seine witzigen Interpetationen mit passenden Akzenten den einzelnen Charakteren des Krimis eine besondere Note.

   Für Dich gehört von E.L.


Dezember 2015

Kramar, Konrad: Mission Michelangelo
: wie die Bergleute von Altaussee Hitlers Raubkunst vor der Vernichtung retteten / Konrad Kramar. Wissenschaftliche Mitarb. und Recherche: Inge Korneck. - St. Pölten :   Residenz-Verl., 2013. - 181 S., [8] Bl. : Ill.
ISBN 978-3-7017-3315-6 / 3-7017-3315-5 fest geb. : ca. € 21,90 

70 Jahre ist es schon her. Einige mutige Bergleute, Helden, auch Schurken sorgen dafür, dass die größten Kunstschätze Europas nicht in die Luft gesprengt werden.

Hitlers Schergen raubten in ganz Europa Kunstschätze wie Michelangelos Madonna aus Brügge, den Mittelteil des Genter Altars, Brueghels „Bauernhochzeit“ ... und sammelten sie für das 1950 zu eröffnende Führermuseum im neugestalteten Linz. Ab 1943 wurden die Werke im Bergwerk Altaussee gelagert und bei Scheinwerferlicht restauriert. Nach dem Tod Hitlers war Gauleiter Eiberger fest entschlossen, diesen größten Kunstschatz zu vernichten. Hierzu waren bereits Tonnen von Sprengstoff im Berg. Eine Allianz von wagemutigen Bergarbeitern und zwielichtigen und geheimnisvollen Figuren konnten das verhindern.

Der Journalist Konrad Kramar recherchierte unterstützt von Frau Inge Korneck, sprach mit den wenigen noch lebenden Zeitzeugen und erstellte ein Sachbuch. Doch geworden ist es ein spannender Krimi, ein Roman, genau recherchiert und spannungsvoll erzählt, mit Fotographien illustriert.

Ein kritischer Blick auf die Geschichte, der uns herausfordert, unser Geschichtsbild zu überdenken. 

Ein sehr spannender Blick! Sehr zu empfehlen!

Für Dich gelesen von E.L.


September 2015

Feuerkugeln im All
Überraschende Quantenphänomene
am Rand Schwarzer Löcher

Mit diesem Thema befasst sich das Magazin Spektrum der Wissenschaft in seiner September-Ausgabe. 
Die Bücherei hat Spektrum der Wissenschaft abonniert. Komm und hol sie Dir.

Weitere Zeitschriften-Abos:
GEO Epoche – Geschichte
GEOLINO extra – Sachbuch-Zeitschrift für Kinder ab 8
ELTERN family
GARTEN+Haus
Servus
Kraut und Rüben


Juli 2015

Monsieur Claude und seine Töchter
Regie: Philippe de Chauveron. Drehb.: Guy Laurent .... Kamera: Vincent Mathias. Musik: Marc Chouarian. Darst.: Christian Clavier ; Chantal Lauby ; Ary Abittan .... : Indigo Musikproduktion, 2014. - 1 DVD (93 Min.)
ISBN 4047179909488; Orig.: Frankreich, 2014.
Sprachen: Deutsch, Französisch. Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte. Audiodeskription

Der Notar Claude Verneuil und seine Frau Maria sind stolze Eltern von vier hübschen Töchtern. Die erste heiratet einen Muslim, die zweite einen Juden. Im Jahr darauf wird wieder Hochzeit gefeiert, ein Chinese wird Schwiegersohn Nummer Drei. Familientreffen sind eher spannungsgeladen.

Welche Erleichterung, dass die Jüngste ihr Herz an einen katholischen Franzosen verschenkt. … doch seine Hautfarbe ist schwarz!

Im Vater von Charles findet Claude sein Pendant. Der Afrikaner aus der Elfenbeinküste hat genau so viele Vorurteile gegenüber den Franzosen in Frankreich auf Lager, wie Claude gegenüber Franzosen in den ehemaligen Kolonien.

Die Fülle von Vorurteilen und Konventionen sind eine wahre Herausforderung, die frau gut meistert, und mann mit Hilfe von ein wenig Flüssigem auch. ... lockert die Zunge und öffnet das Herz.

Eine herrliche Multikulti-Komödie, 93 min großer Spaß, viel Witz und französischer Charme.

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Weiten,
aus den Stuben über die Sterne.
Jean Paul

Für Dich gesehen von C.L.


April 2015

Capus, Alex: Léon und Louise
: Roman / Alex Capus. - München : Hanser, 2011. - 314 S.
ISBN 978-3-446-23630-1 / 3-446-23630-9 fest geb.

Der Roman beginnt  an seinem Ende, mit einer Begräbniszeremonie in der Pariser Kathedrale Notre Dame, einer skurrilen Schilderung, die einen Vorgeschmack gibt auf eine romantische Liebesgeschichte, die Geschichte von Léon und Louise.

In den letzten Wochen des ersten Weltkriegs verliebt sich Léon in ein Mädchen, das auf einem quietschenden Fahrrad Richtung Atlantik unterwegs ist. Die Liebe, die hier beginnt - getroffen – gefunden - wird ein Leben lang andauern, doch die Wirren der Zeit spielen dem Paar böse mit. Bei einem Granatenangriff an der Atlantikküste werden beide verletzt,  versprengt und gehen vom Tod des jeweils anderen aus.

Léon geht nach Paris, lernt eine Frau kennen und wird Vater von 5 Kindern. 1928 jedoch geschieht das Unerwartete, er glaubt, Louise in der Metro gesehen zu haben. Er will sie unbedingt treffen. Seine Frau merkt es und sie ist es, die ihn schließlich zu ihr schickt.

Die nächsten Jahre sind geprägt von Verzicht und Vernunft. Der Zweite Weltkrieg führt ihre Wege erneut auseinander. Erst nach dem Tod von Léons Frau Yvonne werden sie ein Paar und leben ihre Gemeinsamkeit außerhalb der Konventionen, dankbar für ihre Zeit und die Beständigkeit ihrer großen Liebe.

Eine Liebesgeschichte eingeflochten in Schilderungen des „Alltags“ im Krieg und in der Zwischenkriegszeit, sprachlich meisterhaft, nicht kitschig sondern eher lakonisch geschrieben.

Klingt unglaublich! Der Schweizer Autor Alex Capus hat die Geschichte seines Großvaters, dessen Doppelleben ein offenes Geheimnis war, in dieses Werk verpackt.

Ein Stück Familien- und Zeitgeschichte. Für Dich gelesen von V.O.


März 2015

Legardinier, Gilles: Monsieur Blake und der Zauber der Liebe
: Roman / Gilles Legardinier. Aus dem Franz. von Karin Ehrhardt. - München : Goldmann, 2014. - 409 S. - (Goldmann; 48076)
ISBN 978-3-442-48076-0 / 3-442-48076-0 kart.

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben (nochmal) an“ … hofft Andrew Blake – erfolgreicher englischer Geschäftsmann – und beginnt als Butler in einem Chateau in Frankreich. Dort lernt der englische Gentleman einige sehr interessante französische Charaktere kennen. Die resolute Köchin Odile, Philippe, das „Trampeltier“ von Verwalter,  die noch ganz junge Manon und natürlich Madame, eine verwitwete Frau, die mit der Führung des Anwesens und den Geldangelegenheiten überfordert ist.

Wie sieht es mit den Beziehungen untereinander aus? Worauf kommt es im Leben an? Wo können wir einander tragen und helfen? Sind es die großen Würfe, oder vielmehr die kleinen ersten Schritte aufeinander zu?

Die Erzählung ist stets spannend, Optimismus auf ein “Einer für alle, alle für einen” ist angebracht.

Trockener Humor, französischer und englischer, eine sehr lebendige Beschreibung der Charaktere, viel Witz, Charme und Einfühlungsvermögen zeichnen den Stil des Autors aus.

Der Autor – 1965 geboren – Franzose, arbeitet als Pyrotechniker beim englischen und amerikanischen Film.

“Der Mensch wird am Du zum Ich.”
Martin Buber


Februar 2015

Miller, Ashley: Der beste Tag meines Lebens
: Roman / Ashley Miller ; Zack Stentz. Aus dem amerikan. Engl. von Henriette Zeltner. - München : Droemer, 2012. - 217 S.
ISBN  3-426-22628-6 kart.

„Meine Eltern sagen, es sei schwer zu erraten, was ich gerade denke, weil ich meistens ein absolut neutrales Gesicht mache. Dabei tue ich das nicht mit Absicht. Ich bin einfach so.“ 

COLIN, der Hauptdarsteller dieses höchst interessanten und spannenden Buches ist 14 Jahre alt und hat das Asperger-Syndrom, eine leichte Form des Autismus. Gesichter lesen, Stimmungen erkennen, ist für ihn schwierig. Colin fehlt es an Intuition, sowohl in der intuitiven Wahrnehmung wie auch im intuitiven Reagieren. Seine Begabung, sich Situationen genau – fotografisch - zu merken und aus den Fakten logische Schlüsse zu ziehen, führt dazu, dass ein Kriminalfall – ein Pistolenschuss in der Kantine der High School – aufgeklärt werden kann. Und doch: er registriert neuerdings viele Signale des Verliebtseins … eine neue Welt öffnet sich für den 14-jährigen, er muss eine neue Ordnung schaffen. 

Das Autorenteam Ashley Edward Miller und Zack Stentz hat bereits mehrere Drehbücher für TV-Serien geschrieben. Das ist ihr erster Roman. Für den Leser etwas ungewöhnlich ist die vorworthafte Einleitung der 15 Kapitel. Eintragungen in Colins Notizbuch, und jede Menge Fußnoten, die man allerdings sorglos vernachlässigen kann, da sie nicht zum Fluss des Buches beitragen. Sie zeigen aber auf, wie Vernetzung automatisch läuft, bzw. getrennt notiert werden kann.

Und wer war Asperger???

SPANNEND. INTERESSANT. BESONDERS. WUNDERLICH.


November 2014

Herrndorf, Wolfgang: Tschick
: Roman / Wolfgang Herrndorf. - 23. Aufl. - Berlin : Rowohlt Berlin, 2013. - 253 S.
ISBN 978-3-499256356

In einem Gymnasium in Berlin sitzt Maik Klingenberg in der 4. Klasse. Er ist verliebt, traut sich die Auserwählte aber nicht ansprechen, er kann sich keinem anvertrauen, ist gelangweilt und doch findet er Halt in der Schule. Denn sein Zuhause ist haltlos: Mutter  in der Entzugsklinik, der Vater verbringt seine Zeit bei der Arbeit oder bei seiner Freundin („Geschäftstermin“). 
Eines Tages kommt ein neuer Schüler in die Klasse. Andrej Tschichatschow kommt aus einem der Asylanten-Wohnhäuser und hat es trotz seiner Herkunft irgendwie von der Förderschule aufs Gymnasium geschafft. Integration ist wohl nicht der richtige Ausdruck. 
Den ersten Ferientag verbringt Maik am Pool der elterlichen Villa, als „Tschick“ über die Gartenmauer schaut und Maik auf eine kleine Spritztour mit seinem „geliehenen“ (gestohlenen) Lada einlädt. Wohin so eine Spritztour führt, das erfährt man auf den ersten Seiten. Der Ich-Erzähler entwickelt Step by Step die berührende, gewitzte, originelle Geschichte mit zwei authentischen Helden.

Wolfgang Herrndorf, geb. 1965 studiert Malerei, bringt 2007 seinen Erzählband heraus und schafft mit seinem Roman Tschick 2012 den Durchbruch. Er wird auf der Leipziger Buchmesse 2012 ausgezeichnet. Sein unterhaltsamer Stil und seine Art, die Menschen zu mögen und seine Helden sympathisch zu beschreiben, bereitet Freude. Ein vielversprechender Autor, von dem man sich mehr wünscht. Dennoch: Wolfgang Herrndorf starb am 26.8.2013."

„Seit ich klein war, hatte mein Vater mir beigebracht, dass die Welt schlecht ist. Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. […] Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war. […] Auf so was sollte man in der Schule vielleicht auch mal hinweisen, damit man nicht völlig davon überrascht wird." 

Für Dich gelesen von C.L.

Für Dich Gelesen - Oktober 2014


Maurer, Jörg: Oberwasser
: Alpenkrimi / Jörg Maurer. - Orig.-Ausg. - Frankfurt am Main : Fischer Taschenbuch-Verl., 2012. - 395 S. - (Fischer; 18895)
ISBN 978-3-596-18895-6 / 3-596-18895-4

in der Bücherei als Taschenbuch und als Hörbuch  

„Gekauft hätte ich mir das Buch nie. Aber wenn man es schon geschenkt bekommt, darf man es nicht liegen lassen. Und … es hat mich überzeugt. Ab Seite 30 hat er mir dann sogar ziemlich gut gefallen.“

Oberwasser ist der vierte Alpenkrimi des Bestseller-Autors Jörg Maurer. 1954 ist Maurer in Garmisch geboren, beruflich Krimiautor und vor allem Musikkabarettist. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Kurze Sätze und sehr gute Personen- und Szenenbeschreibungen zeichnen seinen Stil aus.

Kommissar Jennerwein ermittelt, das Bestatterehepaar a.D. Grassegger ist auch in diesem Alpenkrimi mit dabei. Die Handlung spielt in Garmisch, aber auch in Marokko und Norddeutschland. Die Dialoge sind so formuliert, dass man sie in Mundart denkt. Es könnte der Gedanke aufkommen: „Gut dass ich nicht dort bin: zu viel Kitsch, zu viele kulinarische Schmankerl!“

Wenn man beim Lesen meint, jetzt, jetzt endlich werden also die Klischees bedient und so geht es sicher weiter, da kommt eine Kehrtwendung, und die Geschichte geht in eine ganz andere Richtung.

Es geht zur Sache! Sehr empfohlen!

Ein weiterer Alpenkrimi „Unterholz“ ist ebenfalls als Hörbuch in der Bücherei.                                                              

Für Dich gelesen von A.R.    

„Alle Geschichten enden mit dem Tod, wenn man sie weit genug verfolgt. 
Wer das verschweigt, ist kein guter Geschichtenerzähler.“ Ernest Hemingway


Grosz, Stephen: Die Frau, die nicht lieben wollte
: und andere wahre Geschichten über das Unbewusste / Stephen Grosz. Aus dem Engl. von Bernhard Robben. - 2. Aufl. - Frankfurt am Main : S. Fischer, 2013. - 235 S.
ISBN 978-3-10-028715-1 / 3-10-028715-0

in der Bücherei  

„Ich will mich ändern, aber nicht, 
wenn das Veränderung bedeutet.“

Solche Sätze finden sich im Buch des anerkannten Londoner Psychoanalytikers Stephen Grosz, der Patientengeschichten – 
50 min Sitzungen – protokolliert, anonymisiert und sehr spannend erzählt. 
Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt: Anfänge, Lügen (Lebenslügen), Lieben, Veränderung, Gehen / Verlassen.

Ein Buch, das Veränderung zum Inhalt hat.  
“Ganz normale Neurotiker wie Du und Ich” finden neue Wege.

Kurze Geschichten – “Gute-Nacht-Geschichten”. Sie wecken Erinnerungen an Menschen und Begegnungen. Und an dieses Gespür, dass sich hinter dem überraschenden Verhalten des Gegenübers eine eigene, unzugängliche Geschichte verbirgt.

Sehr spannend, sehr berührend geschrieben, sehr gut gelungen.

Für Dich gelesen von A.P.

 „Je seriöser die Fassade, 
desto mehr ist zu verbergen.“ Stephen Grosz